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<title>Devadasi</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Devadasi</span></h1>
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<p><b>Devadasis</b> (देवदासी, <a href="Devi" title="Devi">Devi</a>-Mädchen) waren ab dem 10. Jahrhundert indische <a href="Tempelprostitution" title="Tempelprostitution">Tempelprostituierte</a>, Künstlerinnen und Tänzerinnen wie die japanischen <a href="Geisha" title="Geisha">Geishas</a>, die bei Gottesdiensten und weltlichen Veranstaltungen auftraten. Sie gehörten einer eigenen <a href="Kaste" title="Kaste">Kaste</a> an und waren relativ privilegiert und wohlhabend. Ab dem 14. Jahrhundert, während der muslimischen Herrschaft über Indien, verkam Devadasi zu einem System religiöser <a href="Kinderprostitution" class="mw-redirect" title="Kinderprostitution">Kinderprostitution</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bezeichnungen_im_Umfeld_der_Devadasis">Bezeichnungen im Umfeld der Devadasis</h2></div>
<ul><li><i><a href="Bajadere" title="Bajadere">Bajadere</a></i> war in Europa der romantisierende Begriff für indische Tempeltänzerinnen oder Freudenmädchen, der unter anderem in <a href="Goethe" class="mw-redirect" title="Goethe">Goethes</a> Gedicht <i><a href="Der_Gott_und_die_Bajadere" title="Der Gott und die Bajadere">Der Gott und die Bajadere</a></i> vorkommt.</li>
<li><i>Ganika</i> nannte Kautilya in seinem Lehrbuch <i><a href="Arthashastra" title="Arthashastra">Arthashastra</a></i> aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. eine junge schöne Tänzerin. Sie war nach dem <i><a href="Kamasutra" title="Kamasutra">Kamasutra</a></i> eine vornehme <a href="Kurtisane" title="Kurtisane">Kurtisane</a> und unterschied sich von der einfachen Prostituierten <i>Veshya</i>, weil sie die <a href="64_K%C3%BCnste" title="64 Künste">64 Künste</a> beherrschte.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Devadasis in <a href="Orissa" class="mw-redirect" title="Orissa">Orissa</a> hießen <i>Mahari</i>. Das Wort ist eine Komposition aus den <a href="Oriya" title="Oriya">Oriya</a>-Wörtern <i>mahan</i> und <i>nari</i> und bedeutet „göttliche Damen“. Entsprechend ihren Aufgabengebieten hatten sie zusätzlich Namen: <i>Bhitara Gauni, Bhahara Gauni, Nachuni, Patuari, Raj Angila, Gahana Mahari</i> und <i>Rudra Ganika.</i><sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li><i>Murali</i> heißt in der Volksreligion des westindischen Bundesstaates <a href="Maharashtra" title="Maharashtra">Maharashtra</a> ein dem regionalen Familiengott <a href="Khandoba" title="Khandoba">Khandoba</a> geweihtes Tanzmädchen. Dessen männlicher Gegenpart im Dienst der Gottheit ist der <i>Vaghya</i>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li><i>Nati</i> (männliche Form <i>Nata</i>) ist eine Tempeltänzerin und war oft gleichbedeutend mit einer Devadasi.</li>
<li><i>Nautch</i>, abgeleitet von <a href="Sanskrit" title="Sanskrit">Sanskrit</a> <i>nritya</i> („Tanz“), bezeichnet das weltliche Gegenstück zu den Devadasis: schöne Mädchen, die als professionelle Unterhalterinnen nicht zum Gefallen der Götter, sondern der Herrscher an den indischen Höfen auftraten. In den 1930er Jahren entwickelten sich daraus die eleganten Tanzeinlagen, die besonders das in der <a href="Swang" title="Swang">Swang</a>-Tradition stehende <a href="Nautanki" title="Nautanki">Nautanki</a>-Volkstheater dem männlichen Zeitgeist anpassten.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li><i>Stree Preksha</i> hießen seit altindischer Zeit Tanztheater, die nur von Tänzerinnen (<i>Ganikas</i>) aufgeführt wurden. Die Ganikas traten in Tempeln, Palästen oder bei großen Festen auf. Die <i>Stree-Preksha</i>-Tradition verschwand allmählich nach der islamischen Eroberung Indiens.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li><i>Tawaif</i>, von arabisch <i>taifa</i> („Gruppe“, „Gemeinschaft“), im 18./19. Jahrhundert hoch angesehene Unterhalterinnen mit Poesie, Tanz, Gesang und Erotik an den nordindischen Fürstenhöfen. Aus den Tawaif wurden im Verlauf des 19. Jahrhunderts die <i>Nautch</i>-Tänzerinnen. Vom einstigen weiten und geschätzten Tätigkeitsfeld ist heute nur noch die sprachliche Reduktion auf „Prostituierte“ erhalten.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li><i>Veshya</i>, im <i>Kamasutra</i> eine einfache Prostituierte</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Prostitution">Prostitution</h2></div>
<p>Im <a href="Jagannath-Tempel" title="Jagannath-Tempel">Jagannath-Tempel</a> in der indischen Stadt <a href="Puri_(Indien)" title="Puri (Indien)">Puri</a> (<a href="Orissa" class="mw-redirect" title="Orissa">Orissa</a>) verkörperten Devadasis <a href="Jagannatha" title="Jagannatha">Jagannathas</a> Ehefrau<a href="Lakshmi" title="Lakshmi">Lakshmi</a>, die Göttin der Liebe und des Wohlstands. Sie traten im Tempel zwei Mal täglich tanzend und singend auf. Zudem waren sie Konkubinen des Königs und der Priester. Wie verheiratete Frauen verhüllten sie sich mit einem Zipfel ihres <a href="Sari_(Kleidung)" title="Sari (Kleidung)">Saris</a> und mussten gewöhnliche Prostituierte meiden. Sie waren bewandert in der Kunst der Liebe, der Musik, Tanz und Literatur, und werden zum Teil als hoch gebildet beschrieben. In den altindischen Epen verkörpern sie den Wohlstand, die Raffinesse und die Kultur der blühenden Stadt. Fruchtbarkeit wurde von ihnen nicht erwartet, sie adoptierten stattdessen Mädchen als Nachfolgerinnen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Verwandt sind die transsexuellen <a href="Hijra" title="Hijra">Hijras</a>, die bei der Geburt von Jungen in Häusern singen und tanzen und von denen die meisten homosexuelle Prostituierte sind.
</p><p>Die religiösen Hintergründe dieser alten Tradition sind heute oft nur noch Nebensache. Anstatt ehrwürdiger Tempeltänzerinnen sind Devadasi meist nur mehr Opfer eines Missbrauchsystems, das Jugendliche zu Prostituierten macht und ihre Eltern zu ihren Zuhältern. Kinder werden schon in jungen Jahren durch ein Ritual in dieses System eingeführt, kehren zu ihren Familien zurück und werden dann, wenn sie alt genug sind, für Geld verkauft. Oft sind sie erst 10 bis 13 Jahre alt. Sie werden einem Mann zugeführt, wodurch ihren Familien ein Einkommen sicher ist. Der Großteil ihrer Kunden sind Lastwagenfahrer, bei denen die <a href="HIV" title="HIV">HIV</a>-Infektionsrate besonders hoch ist. Das Devadasi-System zieht sich durch Generationen.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Trokosi" title="Trokosi">Trokosi</a></li>
<li><a href="Restavec" title="Restavec">Restavec</a></li>
<li><a href="Mui_Tsai" title="Mui Tsai">Mui Tsai</a></li>
<li><a href="Sugar-Daddy" title="Sugar-Daddy">Sugar-Daddy</a></li>
<li><a href="Kastenbasierte_Prostitution" title="Kastenbasierte Prostitution">Kastenbasierte Prostitution</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Davesh Soneji: <i>Unfinished Gestures: Devadāsīs, Memory, and Modernity in South India.</i> (Sozial- und Kulturgeschichte der Devadasi im Südindien des 19. und 20. Jahrhunderts) Chicago University Press, 2012, ISBN 978-0-226-76809-0</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Devadasi?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Devadasi</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li>Margarete Blümel: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/indische-tempeltaenzerinnen-dienerinnen-gottes-sexuell.979.de.html?dram:article_id=489684"><i>Indische Tempeltänzerinnen. Dienerinnen Gottes, sexuell missbraucht</i>.</a> Radiosendung, 22. Dezember 2020, Reihe <i>Weltzeit</i> im <a href="Deutschlandfunk_Kultur" title="Deutschlandfunk Kultur">Deutschlandfunk Kultur</a> (verfügbar bis 19. Januar 2038)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/india/1477492/Girls-led-into-life-of-sacred-sex-slavery.html"><i>Girls led into life of 'sacred' sex slavery</i>.</a> In: <i><a href="The_Daily_Telegraph" title="The Daily Telegraph">The Daily Telegraph</a></i>, 25. November 2004 (abgerufen am 23. Juli 2010)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"> Manohar Laxman Varadpande: <i>History of Indian Theatre. Classical Theatre.</i> Abhinav Publications, Neu-Delhi 2005, S. 155</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Rahul Acharya: <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */
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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20100131090818/http://www.boloji.com/dances/00116.htm"><i>Mahari: The Divine Damsels.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 31. Januar 2010 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) boloji.com</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"> Mrudula Tere: <i>Vaghya Murali Folk Tradition in Western Maharashtra.</i> Third International Conference on Interdisciplinary Social Sciences, Prato (Toskana), 22.–25. Juli 2008 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20160304123924/http://i08.cgpublisher.com/proposals/617/index_html">Zusammenfassung des Vortrags</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 4. März 2016 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>))</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Darius L. Swann: <i>Nauṭankī.</i> In: Farley P. Richmond, Darius L. Swann, Phillip B. Zarrilli (Hrsg.): <i>Indian Theatre. Traditions of Performance.</i> University of Hawaii Press, Honolulu 1990, S. 253</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Manohar Laxman Varadpande: <i>History of Indian Theatre.</i> Abhinav Publications, Neu-Delhi 1987, S. 185–197</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">David Courtney: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://chandrakantha.com/articles/tawaif/2_tawaifs.html"><i>The Tawaif, the Anti-Nautch Movement, and the Development of North Indian Classical Music: Part 2 – The Tawaifs.</i></a> chandrakantha.com</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Frédérique Apffel-Marglin: <cite style="font-style:italic">Hierodouleia</cite>. In: <cite style="font-style:italic">Encyclopedia of Religion</cite>. 2. Auflage. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>6</span>, 2005, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>3966–3970</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.encyclopedia.com/environment/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/hierodouleia">encyclopedia.com</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Devadasi&rft.atitle=Hierodouleia&rft.au=Fr%C3%A9d%C3%A9rique+Apffel-Marglin&rft.btitle=Encyclopedia+of+Religion&rft.date=2005&rft.edition=2&rft.genre=book&rft.pages=3966-3970&rft.volume=6" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=2GFaN9-1iz0">Prostitutes of God (Vice Documentary)</a> abgerufen auf YouTube am 1. November 2013</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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